Der DOS-Digitizer

In der Ausgabe 10/1990 der Zeitschrift DOS International, die ich damals abonniert hatte, gab es eine Bauanleitung für ein kleines Zusatzgerät für den PC, mit dem es - man höre und staune! - möglich sein sollte, beliebige Geräusche (Sprache, Musik, ...) digital aufzuzeichnen und wiederzugeben. Also im Prinzip genau das, was heute jede Soundkarte macht bzw. was mittlerweile schon auf den meisten Mainboards integriert ist... Damals war das Digitalisieren von Sounds allerdings noch etwas "ganz Besonderes", denn die einzigen Töne, die ein PC zu dieser Zeit von sich geben konnte, stammten i.d.R. von dem winzigen Lautsprecher, der meist immer nur nervig piepste, wenn irgendein Fehler aufgetreten war oder man eine falsche Eingabe gemacht hatte. Hinsichtlich Multimedia-Fähigkeiten konnten PC-Benutzer also nur neidisch in Richtung der Amiga-Besitzer blicken...

Daß Tonaufnahmen mit dem PC vor etwas mehr als einem Jahrzehnt tatsächlich noch etwas Außergewöhnliches waren (von Video-Aufnahmen ganz zu schweigen!), kann man sich heute fast gar nicht mehr vorstellen, doch folgende Anzeige aus der Zeitschrift DOS-TREND vom Januar 1992 (gerade mal 11 Jahre her!) belegt das recht eindrucksvoll:



Um genau solch ein "Hardwaremodul" handelt es sich auch bei dem "DOS-Digitizer" aus der DOS 10/90. Hier die Schaltung:


Um unabhängig von Batterien zu sein, habe ich das Gerät noch mit einem 230V-Netzanschluß ausgestattet (Spannungsregler 7809). Außerdem habe ich noch einen mittels Poti einstellbaren NF-Vorverstärker (LM 386) eingebaut, um auch schwächere Signalquellen gut aussteuern zu können. Hier ein Foto des am 6.6.1991 gebauten (und immer noch funktionierenden) Digitizers:


Bild oben: Der fertig aufgebaute DOS-Digitizer: Der 25-polige Sub-D-Secker
kam an den Druckeranschluß des Computers (Parallelport), und die beiden
Cinch-Buchsen sind der Audio-Ein- und -Ausgang (natürlich in Mono).




Blick ins Innere: Links die zusätzliche Platine mit Netzteil und NF-
Vorverstärker, rechts die Platine der Digitizer-Schaltung aus der "DOS".


Wer an einer Kopie des Original-Artikels aus der DOS 10/90 interessiert ist, maile mir. Dazu gehörte auch ein in Pascal und Assembler geschriebenes Programm, mit dem sich dieser Digitizer ansteuern ließ, um damit Aufnahmen machen und diese wieder abzuspielen zu können, oder um einzelne Sequenzen daraus zu ganzen Musikstücken zusammenzusetzen. Sound-Editoren wie CoolEdit gab es ja noch nicht, und ob Windows 3.0, das zu dieser Zeit gerade auf den Markt kam, schon Soundunterstützung hatte, weiß ich gar nicht. (Abgesehen davon hätte es für dieses exotische Gerät sowieso keine Treiber gegeben, mit deren Hilfe andere Programme den Digitizer als "Soundkarte" erkannt hätten.)


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